Kurz gesagt: Ein Düngeplan hat drei Ebenen: ein Basisdünger, der zum Substrat passt, ein Phasendünger für Wachstum beziehungsweise Blüte, und optionale Zusätze. Die Reihenfolge ist wichtig – die Basis entscheidet, alles andere ist Feinschliff. Dosiert wird nach Herstellerangabe, und im Zweifel mit der halben Menge begonnen.
Die drei Ebenen
Fast jedes Düngersortiment ist gleich aufgebaut, egal welche Marke auf der Flasche steht:
- Basisdünger – deckt den Grundbedarf ab. Ohne ihn läuft nichts. Er ist substratspezifisch: für Erde, für Cocos oder für Hydro gibt es je eine eigene Linie.
- Phasendünger – Wachstum oder Blüte. Die Pflanze braucht in beiden Phasen andere Verhältnisse.
- Zusätze – Wurzelstimulatoren, Enzyme, Booster. Nützlich, aber nie ein Ersatz für eine saubere Basis.
Wer bei Ebene 3 anfängt, weil die Flasche am spannendsten aussieht, löst das Problem an der falschen Stelle. Eine schwächelnde Pflanze mit einem Booster zu behandeln, während der Basisdünger nicht zum Substrat passt, ist teuer und wirkungslos.
Ebene 1: der Basisdünger muss zum Substrat passen
Das ist der Punkt, an dem die meisten Düngefehler entstehen. Ein Erd-Dünger in Cocos ist nicht „ungefähr richtig“, sondern falsch zusammengesetzt.
- Erde bringt einen eigenen Vorrat mit, deshalb sind Terra-Linien schwächer angesetzt und enthalten weniger Kalzium und Magnesium.
- Cocos liefert nichts. Cocos-Dünger wie Canna Coco A+B enthalten deshalb von Anfang an mehr Kalzium und Magnesium – genau das, was Cocos sonst bindet.
- Hydro arbeitet mit einer umlaufenden Lösung. Hy-Pro Hydro A+B ist ein Beispiel für eine solche Linie; für grössere Anlagen gibt es dieselbe Rezeptur im 1000-Liter-Gebinde.
Warum A und B getrennt sind: Manche Nährstoffe – vor allem Kalzium einerseits und Sulfate beziehungsweise Phosphate andererseits – reagieren im Konzentrat miteinander und fallen als unlösliches Salz aus. Dann sind sie zwar noch in der Flasche, aber nicht mehr für die Pflanze verfügbar. Deshalb gilt bei allen A+B-Düngern: nie A und B unverdünnt zusammenschütten. Erst A ins Wasser, rühren, dann B.
Welches Substrat du überhaupt vor dir hast und was das bedeutet, steht im Ratgeber Erde, Cocos oder Steinwolle.
Ebene 2: Wachstum und Blüte
In der Wachstumsphase baut die Pflanze Blätter, Triebe und Wurzeln – dafür braucht sie vergleichsweise viel Stickstoff. In der Blüte verschiebt sich der Bedarf: Stickstoff tritt zurück, Phosphor und Kalium werden wichtiger. Genau das ist der Unterschied zwischen einem Wachstums- und einem Blütedünger wie Canna Terra Flores.
Ein PK-Zusatz wie Canna PK 13/14 setzt in der Blüte noch einmal gezielt Phosphor und Kalium obendrauf. Das ist eine Ergänzung für einen begrenzten Zeitraum, kein Dauerzusatz – und er kommt zusätzlich zum Blütedünger, nicht statt seiner.
Ebene 3: Zusätze, und wann sie überflüssig sind
- Wurzelstimulator – etwa Canna Rhizotonic oder Hy-Pro Root Stimulator. Gedacht für die frühe Phase und für Pflanzen, die einen Umzug hinter sich haben.
- Enzyme – Cannazym baut abgestorbenes Wurzelmaterial im Substrat ab. Vor allem dann sinnvoll, wenn du ein Substrat mehrfach nutzt.
- Booster – Canna Boost oder Plagron Green Sensation sind Blütezusätze. Die Hersteller bewerben sie mit einer Wirkung auf Ertrag und Qualität; ob sich das in deinem Setup zeigt, hängt davon ab, ob die Basis überhaupt stimmt. Green Sensation gibt es auch im 5-Liter-Gebinde.
Die ehrliche Reihenfolge lautet: erst Basis und pH im Griff, dann Phase sauber trennen, dann über Zusätze reden. Ein Booster repariert keine falsche Basis.
So baust du deinen Plan auf
- Substrat festlegen. Alles Weitere hängt daran.
- Passende Basislinie wählen – Terra, Coco oder Hydro. Bleib möglichst innerhalb einer Marke: Die Linien sind aufeinander abgestimmt, und das Mischen über Hersteller hinweg macht Fehler schwer auffindbar.
- Mit der halben Herstellerdosis starten. Die Angaben auf der Flasche sind Obergrenzen für kräftige Pflanzen unter guten Bedingungen. Nach oben kommst du jederzeit; eine Überdüngung dagegen musst du auswaschen.
- Ansetzen in der richtigen Reihenfolge: Wasser → A → rühren → B → rühren → Zusätze → rühren.
- EC messen. Jetzt weisst du, wie stark deine Lösung wirklich ist.
- pH ganz zum Schluss einstellen. Jeder Dünger verschiebt den Wert – vorher zu messen ist sinnlos. Wie das geht, steht im Ratgeber pH und EC messen und kalibrieren.
- Beobachten und notieren. Was du nicht aufschreibst, kannst du nicht wiederholen – und auch nicht korrigieren.
Die typischen Fehler
- A und B unverdünnt zusammen. Führt zum Ausfällen – die Nährstoffe sind dann verloren.
- Falsche Linie fürs Substrat. Terra-Dünger in Cocos lässt Kalzium und Magnesium fehlen.
- Mehr hilft mehr. Tut es nicht. Überdüngung zeigt sich zuerst an den Blatträndern und ist mühsamer zu beheben als ein leichter Mangel.
- pH ignorieren. Der beste Dünger nützt nichts, wenn er chemisch gebunden ist.
- Alles auf einmal ändern. Dann weisst du hinterher nicht, was gewirkt hat. Eine Änderung pro Durchgang.
Das ganze Sortiment findest du unter Grow Dünger.
Häufige Fragen
Kann ich Dünger verschiedener Hersteller mischen?
Technisch meistens ja, sinnvoll selten. Die Linien eines Herstellers sind aufeinander abgestimmt; sobald du mischst, überlagern sich die Rezepturen und ein Mangel oder Überschuss ist kaum noch zuzuordnen. Für den Anfang bei einer Linie bleiben.
Warum sind Cocos-Dünger anders zusammengesetzt als Erd-Dünger?
Weil Cocos Kalzium und Magnesium bindet und im Tausch Natrium und Kalium abgibt. Cocos-Linien gleichen das von vornherein aus. Ein Erd-Dünger tut das nicht – in Cocos fehlen dann genau diese Nährstoffe.
Wie viel Dünger ist richtig?
Halte dich an die Herstellerangabe auf dem jeweiligen Produkt und beginne mit der halben Menge. Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht: Sie hängt von Substrat, Wasserhärte, Pflanzengrösse und Phase ab. Der EC-Wert deiner fertigen Lösung ist der verlässlichere Anhaltspunkt als jede Faustregel.
Brauche ich Zusätze überhaupt?
Nein. Mit einem passenden Basisdünger und sauberem pH kommst du durch. Zusätze sind Feinschliff – sie lohnen sich, wenn die Grundlagen sitzen, und sie kaschieren nichts, wenn sie es nicht tun.

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